Wer quiekt und piept und quakt denn da?

Artenvielfalt im Steinbruch

Biodiversität beschreibt die biologische Vielfalt und umfasst die Vielzahl an Arten und Lebensräumen auf unserem Planeten. Durch Biodiversität erhalten wir Nahrung, Medizin, frische Luft und Wasser, ihr Gleichgewicht verhindert Umweltkatastrophen und gibt dem Menschen Raum zum Leben. Diesem natürlichen Kapital verdanken wir unser Leben und seine Qualität. Nur wenn wir das Gleichgewicht der Artenvielfalt respektieren, schützen und erhalten, bleibt der Planet Erde im Einklang. Mensch und Natur können dauerhaft überleben.

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Viele Pflanzen und Tiere, die sich im Laufe der Evolution auf die rasche Besiedlung von Gebieten spezialisiert haben, sind heute vom Aussterben bedroht. Für sie stellen noch aktiv genutzte Abbaustätten oftmals die einzigen Rückzugsgebiete dar. Seltene Orchideen- und Nelkenarten sowie andere unter Naturschutz stehende und gefährdete Blüten-, Farn- und Moospflanzen finden in den betriebenen und renaturierten Steinbrüchen Platz zum Leben. Aber auch seltene Vögel, Fledermäuse, Insekten und unterschiedliche Krötenarten bewohnen die Biotope aus Menschenhand. Steinbrüche sind gekennzeichnet durch eine hohe Lebensraumvielfalt und eine enge räumliche Verzahnung unterschiedlichster Lebensräume. Das Leben kann sich durch den geringen Besucher- und Freizeitdruck ungestört entfalten. Oft dienen Steinbrüche als Ausbreitungsinseln für Tier- und Pflanzenarten und übernehmen Korridorfunktionen in Biotop-Verbundsystemen.

Die durch den Abbau entstehenden Lebensräume wandern aufgrund der räumlichen Änderungen der Abbaubereiche mitsamt ihren Tieren und Pflanzen über die Abbaustätte hin und her. Solche Wanderbiotope ermöglichen die Entwicklung einer enormen Artenvielfalt. So sind seltene Amphibienarten wie die Gelbbauchunke, die Kreuz- und die Wechselkröte zum Laichen auf sonnenexponierte, weitgehend unbewachsene, temporäre Flachgewässer angewiesen, ein Lebensraum, der im Laufe des Abbaus innerhalb kürzester Zeit entstehen kann, beispielsweise durch die Fahrspuren der Schwerkraftwagen. Die Betreiber der Steinbrüche achten bereits während der Abbauphase darauf, den Raum für die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten so natürlich wie möglich zu gestalten. Zu nennen sind hier insbesondere der Erhalt von Felsköpfen, Variation von Böschungsneigungen sowie die Anlage von Schuttkegeln, Steinriegeln und Laich-Gewässern.

Zu den Arten, die Kalksteinbrüche als Lebensraum gewählt haben, gehört auch der Uhu, dem sich die Kalkindustrie in besonderer Weise verbunden fühlt. Uhus finden gerade in Kalksteinbrüchen oftmals, was sie zum Überleben benötigen: sichere Brutplätze. Klettersport und andere Uhus störende Freizeitnutzungen sind hier nicht gestattet. Deshalb brüten Uhus kaum irgendwo so erfolgreich wie in Steinbrüchen.

Auf den ersten Blick wirken die nach dem Abbau entstandenen Magerstandorte recht karg, sie bilden jedoch einen wichtigen Lebensraum für schützenswerte Tiere wie Zauneidechsen, Wildbienen, Schmetterlinge, Libellen und Ödlandschrecken. Auch seltene Pflanzen, wie Orchideen oder die Küchenschelle, finden hier ihre ökologische Nische. Sie sind aufgrund ihrer hohen Toleranz gegenüber Trockenheit und Nährstoffmangel in der Lage, einen Lebensraum zu erobern, der anderen Pflanzen verschlossen bleibt. Der Mensch profitiert von den dort vorkommenden Heilkräutern, wie z. B. Arnika. Ein Kalksteinbruch würde, sich selbst überlassen, mehr und mehr verbuschen. Nur die Durchführung geeigneter Pflegemaßnahmen kann den Kalktrockenrasen mit seinen wertvollen Pflanzen- und Tierbeständen erhalten. Voraussetzung für den Erhalt dieses Biotoptyps ist eine fortgesetzte Beweidung oder Mahd der Flächen. Andernfalls würden sie nach einem Verbuschungsstadium im Laufe der Zeit in Wald übergehen. Schafe und Ziegen sind nützliche Helfer, um Offenstandorte zu bewahren.

Es ist heute unbestritten, dass gerade während und durch den Abbau im Steinbruch Zonen von äußerst hohem ökologischem Wert entstehen. Die Steine- und Erdenindustrie schafft während und nach ihrer Tätigkeit wertvolle Lebensräume für bedrohte Pflanzen und Tiere.

Nachfolgend stellen wir Ihnen einige Tiere vor, die Steinbrüche als Lebensraum nutzen:

Baumpieper
(Anthus trivialis)

Baumpieper

Gruppe: Vögel
Familie: Stelzen und Pieper (Motacillidae)
Körperlänge: ca. 15 cm
Flügellänge: 8,5 - 9 cm
Gewicht: 16 -30 g

Baumpieper bewohnen bevorzugt offenes und halboffenes Gelände in Gehölznähe. Sie ernähren sich nahezu ausschließlich von kleinen, weichhäutigen Insekten und suchen krautige oder grasige Flächen oder auch Bäume nach Beutetieren ab.

Die Vögel gehören zu den Langstreckenziehern und überwintern in den Hochgras-Savannen West- und Ostafrikas. Die Abwanderung in die Winterquartiere findet hauptsächlich im August/September statt, die Hauptrückkehrzeit in die europäischen Brutgebiete liegt im April.

Als Bodenbrüter benötigt der Baumpieper ein Habitat mit einer dichten Krautschicht, unter der er das – meist aus 5 Eiern bestehende – Gelege verbirgt. Nur das Weibchen brütet. Die Brutdauer beträgt 12 – 14 Tage. Die Jungvögel bleiben 10 – 12 Tage im Nest und werden von beiden Elternteilen etwa bis zum 25. Lebenstag versorgt.

Bei Gefahr verleitet das Baumpieperweibchen, d. h. es lenkt potenzielle Feinde vom Nest bzw. den Jungen ab, indem es sich krank stellt und eine Flügellähmung vortäuscht. Bisweilen brüten Baumpieper auch noch ein zweites Mal. Im Durchschnitt zieht ein Paar pro Jahr 3 bis 4 Jungvögel erfolgreich groß.

Bluthänfling
(Hänfling, Flachsfink; Linaria cannabina)

Bluthänfling

Ordnung: Sperlingsvögel
Familie: Finken
Körperlänge: 13 - 14 cm
Flügelspannweite: ca. 23 cm
Gewicht: 15 - 20 g

Der Bluthänfling ist in Deutschland ein Standvogel und bevorzugt Busch- und Heckenlandschaften in Tiefland und flachem Hügelland. Außerhalb der Brutzeit findet man ihn gerne auf Öd- und Ruderalflächen, beispielsweise im Steinbruch. Er ernährt sich von Sämereien verschiedenster Pflanzen. Die Techniken, die er anwendet, um an die Samen zu gelangen, sind ihm angeboren. Während der Brutzeit nimmt er auch kleine Insekten zu sich. Im Winter sucht er als Teilzieher wärmere Gebiete auf, entfernt sich dabei nicht allzu weit vom Brutgebiet.

Bluthänflinge führen jährlich ein bis zwei, seltener drei Bruten durch. Ende April, Anfang Mai legt das Weibchen zumeist fünf Eier und brütet 12 bis 13 Tage, während es vom Männchen mit Nahrung versorgt wird. Die Jungvögel werden blind und nackt geboren und in erster Linie mit Samen von Wildkräutern gefüttert. Mit 12 bis 14 Tagen fliegen sie aus und sitzen im Geäst. Sie werden von den Altvögeln in den Schwarm eingeführt. Ab dem 18. bis 22. Tag nehmen sie eigenständig Nahrung auf, mit 28 Tagen sind die Jungvögel selbständig.

Bluthänflinge sind tagaktiv und nutzen gerne Wasserstellen zum Trinken und Baden. Außerhalb der Brutzeit leben sie friedlich in dicht zusammenhaltenden, großen Schwärmen. Sie bekunden ihre Zuneigung durch Schnäbeln und gegenseitiges Putzen.

Braunbrustigel
(Erinaceus europaeus)

Braunbrustigel

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Insektenfresser
Kopf-Rumpf-Länge: bis 22 bis 30 cm
Schwanzlänge: 2 cm
Gewicht ausgewachsener Tiere: 350 – 1500 g
Lebenserwartung: bis zu 7 Jahren

Igel gehören zu den ältesten Säugetieren der Erde. Ihre Vorfahren lebten bereits zu Zeiten der Dinosaurier. In Deutschland kommen zwei Arten von Igeln vor, wobei fast ausschließlich der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) im ganzen Land verbreitet ist. Der seltene Nördliche Weißbrustigel (Erinaceus roumanicus) kommt nur in wenigen Randgebieten Ostdeutschlands vor.

Im Steinbruch finden Igel noch naturbelassene Gehölze und artenreiche Magerwiesen. Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv und haben ein breites Nahrungsspektrum: Sie fressen Insekten und deren Larven, Regenwürmer, Spinnen, Schnecken, Frösche, Mäuse, Kleinvögel, Vogeleier und Aas. In geringen Mengen nehmen sie auch pflanzliche Nahrung wie Wurzeln und Früchte zu sich.

Zu den natürlichen Feinden des Igels zählen Uhu, Dachs, Marder und Fuchs. Zur Abwehr von Fressfeinden trägt der Igel ein robustes Stachelkleid auf der Oberseite und ist in der Lage, sich in Gefahrensituationen zu einer Kugel einzurollen. Bei den Stacheln handelt es sich um verhornte Haare. Ein ausgewachsener Igel besitzt zwischen 6.000 und 8.000 Stacheln. Der Bauch, das Gesicht und die Gliedmaßen sind mit Fell bedeckt.

Die Tiere geben viele Geräusche von sich. Man hört sie durchs Unterholz rascheln, wo sie nach Nahrung suchen. Wenn Sie etwas zu fressen gefunden haben, schmatzen sie laut und knacken bisweilen Schneckenhäuser und Insektenpanzer. Wenn die einzelgängerisch lebenden Tiere auf Artgenossen treffen und in Streit oder Paarungslaune geraten, geben sie ein Keckern von sich und können sogar fauchen und kreischen.

Igel bringen ein- bis zweimal im Jahr Nachwuchs zur Welt. Nach einer rund 35-tägigen Tragzeit wirft das Weibchen vier bis fünf Jungtiere. Die jungen Stacheligel haben bei der Geburt noch weiche Stacheln und sind zunächst blind und hilflos. Nach 12 bis 24 Tagen öffnen die Jungtiere die Augen, nach rund 42 Tagen werden sie entwöhnt. Die Geschlechtsreife tritt meist nach 6 bis 12 Monaten ein.

Igel halten Winterschlaf. Dazu suchen sie meistens im November bei anhaltenden Bodentemperaturen um den Gefrierpunkt ein Winterquartier auf, zum Beispiel Laub- und Reisighaufen. Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit sind Igel im beginnenden Herbst auch tagsüber aktiv, denn insbesondere die Jungtiere müssen sich für den bevorstehenden Winterschlaf noch einige Fettreserven anfressen. Während des Winterschlafs verlieren Igel 20 bis 40 Prozent ihres Körpergewichts.

Dorngrasmücke
(Sylvia communis)

Dorngrasmücke

Gruppe: Vögel
Familie: Grasmückenartige (Sylviidae)
Körperlänge: 13 -15 cm
Gewicht: 12 - 17 g

Die lebhafte Dorngrasmücke lebt in offenen Landschaften mit dornigen Büschen und Sträuchern als Nistplatz oder auf Bahndämmen, in alten Kiesgruben und Steinbrüchen, wo man sie von Ende April bis September antreffen kann. Sie ist ein Langstreckenzieher und überwintert im tropischen Afrika südlich der Sahara.

Von Mai bis Juli werden ein bis zwei Bruten aufgezogen. Das Nest der Dorngrasmücke befindet sich meist gut versteckt dicht über dem Boden und enthält 4 bis 5 Eier. Das Gelege wird in der Hauptbrutzeit von Mai bis Juli 11 bis 13 Tage lang abwechselnd von beiden Partnern bebrütet. Die Jungvögel schlüpfen nackt und verweilen 10 bis 12 Tage im Nest.

Die Nahrung der Dorngrasmücke besteht aus Spinnen, Insekten und Beeren.

Eisvogel
(Alcedo atthis)

Eisvogel

Gruppe: Vögel
Familie: Eisvögel (Alcedinidae)
Körperlänge: 16 – 18 cm
Flügelspannweite: 25 cm
Schnabellänge: 4 cm
Gewicht: 35 -40 g

In Deutschland ist der Eisvogel meist ein Standvogel. Die Männchen bleiben im Winter standorttreu, bis die Nahrungsgewässer komplett vereist sind. Weibchen oder Jungvögel verlassen die Gebiete früher, wenn das Nahrungsangebot versiegt, entfernen sich aber nicht weit.

Der Eisvogel benötigt stehende oder ruhig fließende klare Gewässer, da er sich von in erster Linie von Kleinfischen ernährt. Er verschmäht aber auch kleinen Frösche, Kaulquappen, Molche und Insekten nicht.

Als Brutplatz schätzt er Abbruchkanten, Prallhänge, Böschungen oder Steilufer, in denen er seine Niströhre anlegen kann, die bis zu einen Meter horizontal in den Hang gebaut wird. Nach einer Brutzeit von 21 Tagen schlüpfen sechs bis sieben Junge, die nach 23 - 27 Tagen ausfliegen.

Eisvögel betreiben Brutpflege mit sogenannten Schachtelbruten. Dabei legt das Weibchen schon ein neues Gelege, während das Männchen die Jungen der vorherigen Brut noch füttert. Bei den Eisvögeln sind 2 bis 3 Bruten pro Jahr die Regel. So können sie im Jahr bis zu 21 Junge aufziehen.

Europäischer Laubfrosch
(Hyla arborea)

Europäischer Laubfrosch

Klasse: Lurche/Amphibien
Familie: im weiteren Sinne Laubfrösche
Körperlänge: 3 bis 5 cm

Der Europäische Laubfrosch hat eine glatte Hautoberfläche und ist an der Oberseite leuchtend grün gefärbt. Der Frosch kann seine Hautfarbe ändern und ist auf glatten Strukturen (z. B. Blättern) hellgrün, auf rauen Strukturen hingegen werden die Tiere dunkel (z. B. Rinde).

Die Enden der Finger und Zehen der Tiere sind zu kleinen Haftscheiben erweitert. Sie erlauben dem Laubfrosch das Klettern auf Pflanzen und Bäumen. Laubfrösche sind die einzigen Baum bewohnenden Amphibien Europas.

Die Haut des Laubfrosches ist reich an Schleim- und Giftdrüsen. Beim Laubfrosch, der sich als Gebüsch- und Baumbewohner in seiner Lebensweise stark von anderen Lurchen unterscheidet, weisen die Drüsen eine Besonderheit auf. Sie sind zum Schutz gegen Austrocknung verschließbar. Jede Schleimdrüsenzelle verfügt über einen eigenen Schließapparat, der die Sekretion reguliert.

Laubfrösche begeben sich mit Einbruch der Dämmerung auf Nahrungssuche. Der entscheidende optische Fangreiz entsteht durch die Bewegung des Opfers. Ist es in Reichweite, schnellt die klebrige Zunge des Frosches hervor und befördert es ins Maul. Oft springt der äußerst bewegliche Frosch seine Beute dabei regelrecht an.

In der Laichzeit von April bis Mai sind mit Einbruch der Dämmerung und nachts die lauten Rufserien der Männchen zu hören. Die Paarungsrufe des Männchens verändern sich unter dem Einfluss der Temperatur. Ein weiterer Ruftyp ist der Revierruf. Nach bisherigen Ergebnissen bestimmen die Männchen anhand der Lautstärke der Rufe den Abstand voneinander.

Die Eiablage findet überwiegend im April und Mai statt. Die Laichballen quellen im Wasser auf und werden an seichten Stellen an die Gewässervegetation geheftet. Ein Ballen enthält zwischen 30 und 100 Eier. Innerhalb eines Frühjahrs kann ein Weibchen zwischen 150 und 1100 Ballen ablegen. Die Entwicklungsdauer der Gelege variiert nach den vorherrschenden Umgebungs- und Wassertemperaturen. Der Übergang zum Landleben erfolgt überwiegend in den Monaten Juli und August.

Als Fortpflanzungsgewässer nutzen Laubfrösche gerne fischfreie, besonnte und vegetationsfreie Kleingewässer. Wichtig ist das Vorhandensein von Büchen, Hochstauden und Gehölzen in der Nähe, welche als Landlebensraum außerhalb der Fortpflanzungszeit genutzt werden. Kalksteinbrüche haben hier die oft eine entscheidende Funktion in Biotop-Verbundsystemen. Als wechselwarmes Tier findet der Laubfrosch frostfreie Überwinterungsquartiere in den Felsspalten.

Der Laubfrosch ist europaweit geschützt nach der FFH-Richtlinie (Anhang IV) und „streng geschützt“ gemäß Bundesnaturschutzgesetz.

Feldhase
(Lepus europaeus)

Feldhase

Kopf-Rumpf-Länge: 42,2 bis 68 cm
Schwanzlänge: 6,3 bis 13,3 cm
Länge der Hinterfüße: 9,3 bis 18,5 cm
Ohrlänge: 8,5 bis 12,9 cm
Gewicht: 2,5 bis 6,4 kg
Lebenserwartung: bis 12 Jahre

Der Feldhase lebt überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv als Einzelgänger. Er bevorzugt warme, trockene, offene Flächen mit einer guten Rundumsicht. Tagsüber ruht er in der sogenannten Sasse, einer flachen Mulde, aus der er seine Umgebung weiträumig überblicken kann. Bei Gefahr drückt sich der Feldhase zunächst regungslos an den Boden. Er im letzten Moment ergreift er die Flucht. Dabei kann er Geschwindigkeiten bis zu 80 km/h erreichen, drei Meter weit und zwei Meter hoch springen. Typisch für den Feldhasen sind dabei abrupte Richtungswechsel, das Haken schlagen. Damit kann er die meisten Verfolger abhängen.

Zu den Feinden, insbesondere junger Feldhasen, zählen Greifvögel, Rabenvögel, Füchse und Wildschweine. Feldhasen sind auch gute Schwimmer. Die Tiere sind standorttreu und behalten ihr Revier ein Leben lang.

Feldhasen sind nicht stumm. In nächster Nähe kann man ab und an ein leises Murren wahrnehmen. Junghasen quietschen gelegentlich. In höchster Gefahr geben Feldhasen einen durchdringenden, quäkenden Laut von sich.

Sie ernähren sich von Gräsern, Kräutern, Feldfrüchten, Trieben, Knospen und Blättern, im Winter auch die Rinde junger Bäume. Die steil abfallenden Wände von Steinbrüchen und Kiesgruben sind mit allerlei Büschen, Bäumchen und nicht gedüngten Kräutern bewachsen, ein Eldorado für den Feldhasen. Auch in den verbuschten Randbereichen von Abbaustätten findet er ausreichend Tarnung und ein vielfältiges Nahrungsangebot.

Männchen kämpfen um ein empfängnisbereites Weibchen, dabei „boxen“ sie, d.h. sie schlagen mit den Vorderpfoten aufeinander ein. Die Fortpflanzungszeit reicht von Januar bis Oktober. Bei einer Tragzeit von etwa 42 Tagen werfen die Weibchen im Jahr drei- bis viermal ein bis 5 Junge. Die Junghasen werden behaart und sehend geboren und sind Nestflüchter. Zweimal am Tag werden sie von ihrer Mutter gesäugt.

Die Intensivierung der Landwirtschaft, der massive Einsatz von Dünger und Pestiziden sowie der zunehmende Verlust an Lebensraum durch Bebauung und Zerstückelung der Landschaft haben dazu geführt, dass der Feldhasenbestand stark abnimmt. In Deutschland wird die Art daher in der Roten Liste als „gefährdet“ (Kategorie 3) geführt, in einigen Bundesländern wie Brandenburg und Sachsen-Anhalt als „stark gefährdet“ (Kategorie 2).

Flussregenpfeifer
(Charadrius dubius)

Flussregenpfeifer

Gruppe: Vögel
Familie: Regenpfeifer (Charadriidae)
Körperlänge: 14 – 18 cm
Flügelspannweite: 34 - 45 cm
Gewicht: 25 - 55 g

Der Flussregenpfeifer besiedelte ursprünglich flache, naturbelassene Flussufer. Heute dienen ihm vegetationsfreie Kies- und Schotterflächen oder Rohböden in Wassernähe, wie er sie im Steinbruch findet, als Ersatzlebensräume.

Er ist meist zu Fuß unterwegs und bewegt sich rennend vorwärts; außer bei der Suche nach Nahrung, die aus Würmern, Spinnen, Insekten, Larven oder Weichtieren besteht.

Er ist ein Langstreckenzieher, der während der Nachtstunden zu seinem Winterquartier in Afrika oder im Mittelmeerraum fliegt. Dort verbringt er die Zeit von November bis Februar.

Er brütet in der Zeit von April bis Juli. Das Nest, in das das Weibchen 4 Eier legt, befindet sich am Boden. Nach 22 bis 28 Tagen schlüpfen die Jungen im Dunengefieder. Sie sind Nestflüchter und ernähren sich selbständig. Nach 3 bis 4 Wochen sind sie flugfähig. Das Brutpaar bewacht die Jungvögel gemeinsam. In unseren Breiten werden häufig 2 Bruten großgezogen. Bei Gefahr locken die Eltern die Angreifer vom Nest weg und schützen so ihre Jungen.

Flussuferläufer
(Actitis hypoleucos)

Flussuferläufer

Gruppe: Vögel
Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
Körperlänge: bis 22 cm
Flügelspannweite: bis 40 cm
Gewicht: 40 - 80 g

Der Flussuferläufer kann fliegen, schwimmen und tauchen. Beim Laufen wippt er ständig mit seinem länglichen Hinterkörper auf und ab. Der Vogel bevorzugt steinige Flussufer, hält sich als Durchzügler an Binnengewässern aller Art auf, so auch an Tümpeln und Tagebaugewässern. Zum Brüten benötigt er ungestörte Uferabschnitte mit ausreichend Deckung und Nahrung für die Aufzucht der Jungen.

Er ernährt sich von Würmern, Schnecken, Insekten, Spinnen und kleinen Krebsen. Der Zugvogel ist ein Langstreckenzieher und überwintert im Mittelmeerraum und in Afrika.

Im April erreichen die Vögel ihre Brutplätze in Deutschland, wo sie bis Oktober verweilen. Meist 4 Eier werden in einer Bodenmulde abgelegt und sind nach ca. 3 Wochen ausgebrütet. Beide Elterntiere sind an der Brut beteiligt. Die Jungen sind Nestflüchter und können 3 Wochen nach dem Schlüpfen fliegen. Nachgelege werden bis Anfang Juni beobachtet.

Bei Gefahr für den Nachwuchs zeigen Flussuferläufer ein Verleiten, d.h. die Elterntiere ziehen die Aufmerksamkeit des Fressfeindes auf sich selbst, um ihn von der Brut oder den Küken abzulenken. So geben sie vor, schwer verletzt und somit eine leichte Beuchte zu sein und locken den Angreifer dabei vom Nest weg.

Gelbbauchunke (Bergunke)
(Bombina variegata)

Gelbbauchunke (Bergunke)

Klasse: Lurche/Amphibien
Gattung: Unken
Familie: Bombinatoridae
Größe: 35 - 56 mm

Die Oberseite des kleinen Froschlurches ist warzenartig und unscheinbar gefärbt. Die Unterseite hingegen ist leuchtend gelb mit dunklen Flecken und hat der Unke ihren Namen eingebracht.

Früher war die Gelbbauchunke ein Auenbewohner. Heute schätzt sie als Ersatzbiotop vegetationsarme, temporäre Flachgewässer, wie sie unter anderem in Steinbrüchen, Kies- und Sandgruben anzutreffen sind. Da sich das flache Wasser schnell erwärmt, können sich darin Laich und Larven rasch entwickeln. Die Larvenentwicklung beträgt je nach Umgebungstemperatur 41 – 67 Tage. An Land versteckt sich der kleine Lurch unter Steinen oder in Felsspalten. Bei Gefahr macht die Unke ein Hohlkreuz, sodass die Warnfarbe an ihrer Unterseite sichtbar wird (Kahnstellung). Ihr Hautgift ist für den Menschen zwar schleimhautreizend, aber nicht gefährlich.

Die Gelbbauchunke gilt in Deutschland als stark gefährdet und ist streng geschützt. Die einzelnen Vorkommen sind durch Straßen oder Landwirtschaft voneinander getrennt (Verinselung), sodass der genetische Austausch zwischen verschiedenen Populationen stark eingeschränkt ist. Sie ist eine typische Pionierart und auf Offenstandorte angewiesen. Bei Verbuschung verliert sie ihren Lebensraum.

Gemeine Geburtshelferkröte
(Alytes obstetricans)

Gemeine Geburtshelferkröte

Klasse: Amphibien/Lurche
Familie: Alytidae
Körperlänge: bis 5,5 cm

Die Geburtshelferkröte ist der kleinste heimische Froschlurch, nachtaktiv und ein Scheibenzüngler. Die rundliche Zunge ist zum größten Teil am Mundboden verwachsen und kann nicht zum Beutefang hervorgeschnellt werden.

Die ausgeprägten Landbewohner zeigen eine hochentwickelte, unverwechselbare Brutfürsorge: Die Weibchen legen ihren Laich nicht in einem Gewässer ab, sondern die Männchen übernehmen bei der Paarung die frisch abgelegten Eier, befestigen sie an ihren Hinterbeinen und tragen die Laichschnur mit sich herum, bis die Kaulquappen reif zum Schlüpfen sind. Dann setzen sie die Larven in einem Gewässer ab. Auf diese Weise ist der Laich optimal gegen Fressfeinde geschützt.

Die Weibchen setzen mehrmals im Laufe des Sommers Laichschnüre ab, die Paarungsrufe erklingen 3-4 Monate lang. Die Rufphase fällt in die Abend- und Nachstunden und wird durch der Helligkeit und Temperatur bestimmt.

Die urtümlichen Froschlurche suchen sich wärmebegünstigte Lebensräume mit bodenfeuchten Verstecken, z.B. unter Steinplatten, in Steinhaufen oder Erdlöchern. Zur Fortpflanzung nutzen sie sonnige bis halbschattige Gewässer. In den vegetationsarmen Kalksteinbrüchen mit vielen Kleinstgewässern finden sie ideale Lebensbedingungen.

Die Bestände der Geburtshelferkröte sind insbesondere durch Lebensraumverlust und Verinselung ihrer Habitate bedroht. Die Art ist europaweit nach der FFH-Richtlinie und streng nach Bundesnaturschutzgesetz geschützt.

Großer Abendsegler
(Nyctalus noctula)

Großer Abendsegler

Gruppe: Säugetiere
Familie: Glattnasen-Fledermäuse (Vespertilionidae)
Kopfrumpflänge: 5 – 10 cm
Schwanzlänge: 3,5 – 6,5 cm
Flügelspannweite: bis zu 46 cm
Gewicht: bis zu 50 g

Große Abendsegler sind neben dem Mausohr die größten heimischen Fledermäuse. Ihre langen, schmalen und spitzen Flügel sind darauf abgestimmt, schnell zu fliegen. Sie erreichen mühelos 50 Stundenkilometer. Daher bevorzugen die ausdauernden Flieger für ihre nächtlichen Beuteflüge offene Landschaften und nutzen gerne Steinbrüche als Jagdgebiet. Sie ernähren sich fast ausschließlich von Insekten, insbesondere von Käfern, Libellen und Nachtfaltern. Im Steinbruch finden sie einen reich gedeckten Tisch. Abendsegler gehören zu den wandernden Arten und legen bis zu 1.600 Kilometer zurück, um ihre Winterquartiere zu erreichen.

Die Weibchen versammeln sich ab Mitte Mai in Wochenstuben. Dort bringen sie nach einer 70- bis 75-tägigen Tragzeit ein bis zwei Junge zur Welt. Nach etwa vier Wochen verlassen die Jungen das Quartier zu ersten Flügen. Die Jungtiere sind mit sechs bis sieben Wochen ausgewachsen und werden ungefähr im gleichen Alter entwöhnt.

Großes Mausohr
(Riesenfledermaus; Myotis Myotis)

Großes Mausohr

Gruppe: Säugetiere
Familie: Glattnasen-Fledermäuse (Vespertilionidae)
Kopfrumpflänge: 6,5 – 8,0 cm
Flügelspannweite: 35 - 43 cm
Gewicht: bis zu 40 g

Große Mausohren sind neben dem Großen Abendsegler die größten heimischen Fledermäuse. Sie bewohnen bevorzugt offenes Gelände. Ihren Namen verdanken die Mausohren der Ähnlichkeit ihrer Ohren mit denen von Mäusen. Mausohren laufen und klettern geschickt und schnell. Jedes Individuum benötigt mehrere Hektar Fläche zur Jagd. Bei der Nahrungssuche tritt die Echoortung in den Hintergrund, die Tiere nutzen vielmehr ihr Gehör und ihren Geruchssinn, um ihre Beute im Tiefflug aufzuspüren. Sie fressen am liebsten Laufkäfer, außerdem auch Nachtfalter, Heuschrecken und Spinnen.

Als Winterquartiere des Großen Mausohrs dienen Felsspalten, Höhlen, Stollen und frostfreie Keller. Dort sind die Tiere sowohl einzeln als auch eng in Gruppen gedrängt anzutreffen und halten kopfüber freihängend ihren Winterschlaf.

Seine Wochenstubenkolonien, die mehrere hundert, bisweilen sogar mehrere tausend Weibchen umfassen können, richtet das Große Mausohr meist in Kirchendachstühlen, Dachböden von Schlössern, großen trockenen Scheunen oder Brückenbauwerken ein. Die überwiegend allein lebendenden Männchen geben sich mit kleineren Quartieren in Gebäudespalten, Höhlen, Stollen und Baumhöhlen zufrieden.

Die Weibchen gebären jedes Jahr nur ein Junges, das fast nackt zur Welt kommt und nur etwa 6 Gramm wiegt. Die Augen öffnen sich nach 4 bis 6 Tagen. Nach 30 Tagen sind die Jungen ausgewachsen.

Der bisher nachgewiesene Altersrekord dieser Art liegt bei 25 Jahren. Das Große Mausohr ist nach der Bundesartenschutzverordnung streng geschützt.

Habicht
(Accipiter gentilis)

Habicht

Klasse: Vögel
Ordnung: Greifvögel
Familie: Habichtartige
Gattung: Habichte und Sperber
Körperlänge: 46 - 63 cm
Flügelspannweite: 89 - 122 cm
Gewicht: 0,52 – 2,2 kg

Der Habicht ist aufgrund seiner Körperform (kurze, breite Flügel, langer Schwanz) ein Schnellstarter und überaus wendiger Kurzstreckenflieger. Er kreist nur selten über seinem Revier. Da er meist aus einem versteckten Ansitz heraus jagt, manchmal auch im bodennahen Suchflug, ist er auf gute Deckung durch Bäume, Hecken oder Gebüsche angewiesen. Daher ist er auch in der Sukzessionszone von Steinbrüchen anzutreffen.

Die Füße mit den langen Krallen sind sehr kräftig und ermöglichen die schnelle Tötung auch größerer und wehrhafter Beutetiere. Dabei ernährt er sich hauptsächlich von kleinen bis mittelgroßen Vögeln und Säugetieren, im Süden des Verbreitungsgebietes auch von Reptilien.

Habichte sind monogam und äußerst territorial. Für den Bau ihrer Nester bevorzugen sie hohe, alte Bäume. Inzwischen haben sie aber auch Großstädte für sich erschlossen – mit steigender Tendenz.

Habichte brüten meist nur einmal im Jahr und legen Mitte März bis Mitte April ein bis fünf Eier. Die Jungvögel schlüpfen nach einer Brutzeit von 37 bis 39 Tagen und sind mit etwa 40–45 Tagen flügge. Nestjunge Habichte sind im Vergleich zu Adlern, Bussarden oder Weihen untereinander sehr friedlich. Die Jungvögel verlassen drei bis sechs Wochen nach dem Ausfliegen das elterliche Revier und entfernen sich dabei lediglich bis zu 30 km von ihrem Geburtsort.

Kreuzkröte
(Bufo calamita)

Kreuzkröte

Klasse: Lurche/Amphibien
Familie: Kröten
Körperlänge: 4 bis 8 cm

Die Kreuzkröte ist meist an einem weißlich-gelben Streifen auf dem Rücken gut zu erkennen. Sie besiedelt offene, vegetationsarme bis –freie Flächen mit Versteckmöglichkeiten und Flach- bzw. Kleinstgewässern zum Laichen. Besiedelt werden z. B. Abgrabungsflächen, Bergbaufolgelandschaften, Brachen sowie Ruderalflächen im menschlichen Siedlungsbereich.

Die Laichzeit der Kreuzkröten erstreckt sich von April bis in den Mai. Die Männchen erzeugen dann mit Hilfe einer Schallblase laute Paarungsrufe, um fortpflanzungswillige Weibchen auf sich aufmerksam zu machen. Nächtliche Kreuzkröten-Rufchöre sind manchmal zwei Kilometer weit zu hören. Die Weibchen geben ein bis zwei Meter lange Laichschnüre ab, die aus 2800 bis 4000 Eiern bestehen können und direkt auf den Gewässerboden gelegt werden.

Die Bevorzugung sehr flacher Kleinstgewässer für das Absetzen der Laichschnüre birgt einerseits die Gefahr der Austrocknung, bevor die Larven ihre Metamorphose vollendet haben. Andererseits bieten solche Habitate den Vorteil, dass sie sich sehr rasch erwärmen und keine Fressfeinde im Wasser vorhanden sind.

Bei günstigen äußeren Bedingungen benötigen Kreuzkröten-Kaulquappen nur drei bis sechs Wochen bis zur Metamorphose. Die Dauer der Larvalentwicklung wird unter anderem von der Wassertemperatur, dem Nahrungsangebot, der Bestandsdichte, der Konkurrenz mit anderen Larven und der drohenden Austrocknung des Gewässers beeinflusst. Als minimale Entwicklungsdauer im Freiland gelten 17 Tage, und maximal kann diese zwischen 84 und 100 Tagen betragen.

Als Pionierbesiedler vegetationsarmer Trockenbiotope mit kleineren, temporären Flachgewässern leiden Kreuzkröten unter dem Fehlen oder zu raschen Austrocknen geeigneter Laichgewässer sowie unter der natürlichen Sukzession und Verbuschung ihrer Habitate. Besonders betroffen sind sie von Rekultivierungsmaßnahmen oder der Umnutzung ehemaliger Abbaustätten.

Die Tiere sind europaweit geschützt nach der FFH-Richtlinie (Anhang IV) und „streng geschützt“ gemäß Bundesnaturschutzgesetz. Streng geschützte Arten dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Außerdem ist es verboten, sie durch Aufsuchen ihrer Lebensstätten zu beunruhigen.

Mauerläufer
(Tichodroma muraria)

Mauerläufer

Gruppe: Vögel
Familie: Kleiberartige
Körperlänge: 15,5 bis 17 cm
Flügelspannweite: 27 x 32 cm
Gewicht: 15 - 20 g

Der Mauerläufer bewohnt Felswände und Schluchten in Gebirgen. Die einzigen Brutvorkommen in Deutschland gibt es in den bayerischen Alpen, auf der Lorettokapelle bei Oberstdorf und auf Schloss Neuschwanstein. Außerhalb der Brutzeit wandern Mauerläufer sowohl in die Hochgebirge, als auch in tiefer gelegene Winterquartiere wie Steinbrüche, hohe Gebäude und Steilwände mit gutem Nahrungsangebot. Die Vögel sind ihren Revier-, Brutplatz- sowie Überwinterungsgebieten treu. So werden Brutplätze über 50 Jahre lang genutzt, auch die Bruthöhlen selbst können generationsübergreifend benutzt werden.

Die tagaktiven Vögel schätzen ausgiebiges Sonnenbaden, Sandbaden und Baden. Bei Bedrohung durch Raubsäuger zuckt der Mauerläufer sehr schnell mit den Handschwingen; beim Erscheinen von Greifvögeln verharrt er regungslos.

Die Nahrung des Mauerläufers besteht aus kleinsten bis mittelgroßen Insekten und Spinnentieren. Die Beutetiere werden durch Stochern aus Ritzen geholt oder vom Boden aufgelesen. Bei der Nahrungssuche werden Steinchen umgedreht, Hindernisse werden durch Hämmern beseitigt. Kleine Insekten werden mit der spitzen Zunge durchbohrt und in den Rachen gezogen, größere durch Zerschlagen getötet und dann verschluckt.

Ab Mitte März suchen die Brutpartner einen geeigneten Niststandort in Spalten und Höhlen. Dabei wird höchster Wert auf Sicherheit vor Nesträubern (Hermelin, Steinmarder) gelegt. Der Nestbau wird sorgfältig und gewissenhaft durchgeführt und dauert entsprechend lang (10–20 Tage). Die Brutperiode beginnt selten vor Mitte Mai. Das Gelege besteht aus drei bis fünf Eiern. Die Brutdauer und die Fütterungszeit sind witterungsabhängig, Mittelwerte sind 20 beziehungsweise 30 Tage. Es erfolgt nur eine Jahresbrut. Die flüggen Jungen verbleiben einige Wochen nach dem Ausfliegen in einem losen Familienverband, bevor sie oft in relativ weit entfernte Gebiete abstreichen.

Der Mauerläufer steht als Art mit geografischer Restriktion auf der Roten Liste der bayerischen Brutvögel. Ernsthafte Gefährdungsfaktoren stellen der Kletter- und Trekkingtourismus dar. Besonders problematisch für die Felsbrüter ist das Freestyle-Klettern. Denn dazu werden abseits der klassischen Kletterrouten die Felswände "ausgeputzt", also Polsterpflanzen, Zwergsträucher und andere Vegetation sowie brüchiges Lockermaterial beseitigt. Damit werden Nahrungsressourcen und Brutmöglichkeiten der seltenen Vögel erheblich beeinträchtigt.

Rotfuchs
(Vulpes vulpes)

Rotfuchs

Ordnung: Raubtiere
Familie: Hundeartige
Körperlänge ohne Schwanz: 62 - 75 cm
Schwanzlänge: 30 - 45 cm
Gewicht: 5 – 7,5 kg (schwerere Tiere selten)

Der Rotfuchs ist in Europa der häufigste Wildhund. Füchse und Haushunde lassen sich allerdings aufgrund verschiedener Chromosomenzahlen nicht kreuzen.

Das Fell des Rotfuchses variiert von zwischen rötlichgelb bis tiefrotbraun und unterseits zwischen reinweiß bis schiefergrau. Eine Farbvariante des Rotfuchses (Schwärzling) ist der Silberfuchs mit dunkelgrauer bis schwarzer Fellfärbung.

Füchse legen Erdbaue an, nutzen beispielsweise aber auch Holzstöße, Felsspalten, Hohlräume unter Baumstümpfen, Gartenhäuser und Schuppen für die Jungenaufzucht. Gelegentlich werden Baue gemeinsam mit anderen Arten (z.B. Dachs) genutzt – sogar mit Beutetieren (z.B. Iltis, Wildkaninchen), die der Fuchs dann in Baunähe unbehelligt lässt.

Die Tiere leben in Familiengruppen mit einem komplexen Sozialleben und verfügen über eine große Bandbreite an Lautäußerungen, wie Bellen, Schreien, Trillern, Winseln, Kekkern usw. Sie paaren sich einmal pro Jahr im Januar/Februar. Nach einer Tragzeit von etwas über 50 Tagen wirft die Fähe durchschnittlich vier bis sechs Junge. Die Fuchswelpen werden mit geschlossenen Augen geboren und tragen ein gräuliches Haarkleid. Nach 12 bis 14 Tagen öffnen sie die Augen. Sie werden vier bis sechs Wochen lang gesäugt und verlassen nach Ablauf eines Monats erstmals den Bau. Zu diesem Zeitpunkt haben die Jungfüchse bereits die fuchstypische rötliche Farbe.

Füchse können in Gefangenschaft bis 14 Jahre alt werden. In freier Wildbahn sterben die meisten Füchse jedoch, bevor sie ein Jahr alt werden.

Während der Nahrungssuche sind Füchse meist allein unterwegs und anspruchslose Allesfresser. Sie nehmen mit dem vorlieb, was leicht zu erbeuten ist und einen hohen Energiegehalt bietet (opportunistische Ernährung). Die Tiere stellen keine großen Ansprüche an ihren Lebensraum und dringen immer mehr auch in Siedlungsgebiete und Städte vor. Hier finden sie ein reiches Nahrungsangebot, wie Essensreste, Früchte, Insekten, Mäuse, Ratten und Kaninchen. Populationsdichte und Streifgebietsgröße werden durch das Nahrungsangebot der jeweiligen Lebensräume bestimmt. Die Bestände werden durch Tod im Straßenverkehr und Krankheiten wie Staupe und Räude immer wieder dezimiert.

Werden Füchse stark bejagt, nehmen mehr Fähen an der Fortpflanzung teil und die Jungenanzahl pro Wurf steigt. Wenig bejagte Fuchspopulationen (z.B. in Städten) produzieren weniger Nachkommen und ihr Durchschnittsalter ist höher.

Steinkauz
(Athene noctua)

Steinkauz

Klasse: Vögel
Ordnung: Eulen
Körperlänge: 21 bis 23 cm
Flügelspannweite: 53 bis 58 cm
Gewicht: 160 bis 250 g

Steinkäuze schätzen offene, ebene Landschaften mit spärlicher oder niedriger Vegetation. Die Tiere wählen in Deutschland meist Baumhöhlen zum Nisten und bevorzugen dabei insbesondere Obstbäume und Kopfweiden. Gelegentlich werden aber auch Gehöfte, Kapellen, Weinkeller oder die Felsnischen und –spalten von Kalksteinbrüchen als Nistplätze und Tagesverstecke genutzt. Die Brutpaare leben meist in Dauerehe und bevorzugen als Standvögel wintermilde Regionen.

Die kleinen Eulenvögel jagen üblicherweise dicht über dem Boden und erbeuten neben kleinen Säugern und Vögeln vor allem Käfer, Regenwürmer und größere Insekten. Sie bewegen sich aber auch sehr gewandt und schnell zu Fuß fort. Die Tiere sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und verfügen über ein umfangreiches Lautrepertoire.

Steinkäuze tragen kein Nistmaterial ein. Sie beschränken sich auf ein Säubern der Höhle und Scharren einer Mulde am Boden der Höhle. Der Legebeginn fällt in unseren Breiten meist in die letzte Aprildekade. Das Gelege umfasst gewöhnlich drei bis fünf Eier. Steinkäuze ziehen in der Regel nur eine Brut pro Jahr groß. Die Brutdauer beträgt zwischen 22 und 30 Tagen.Die Jungvögel können ab dem 8. bis 10. Lebenstag ihre Augen öffnen und verlassen im Alter von 22 bis 24 Tagen die Nisthöhle und klettern in die nähere Umgebung. Sie sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht flügge. Ab dem 30. bis 32. Lebenstag können Jungvögel kurze Strecken fliegen. Sie halten sich bis zu einem Lebensalter von 40 Tagen in der Nähe der Bruthöhle auf und werden von beiden Elternvögeln gefüttert. Mit zunehmendem Alter jagen die Jungvögel auch selbst. Der Familienverband löst sich auf, wenn die Jungvögel ein Alter von zwei bis drei Monaten erreicht haben. Der größte Teil der Jungvögel siedelt sich in einer Entfernung von weniger als 10 Kilometer vom Geburtsort an.

Zu den Fressfeinden des Steinkauzes zählen alle größeren Eulenarten, eine Reihe von Greifvögeln und fleischfressende Säugetiere wie der Marder. Da Steinkäuze dicht über dem Boden fliegen, finden viele Tiere durch im Straßenverkehr den Tod. Auch chemische Mittel zur Bekämpfung von Nagetieren oder Entwurmungsmittel, die sich in den Beutetieren der Steinkäuze angesammelt haben, können todbringend sein.

In der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands ist der Steinkauz als gefährdet (Kategorie 3) eingestuft. Bei Mangel an Nistmöglichkeiten kann man dem Vogel durch Anbringen von geeigneten Brutröhren helfen.

Hauptgefährdungsursachen sind das häufige Mähen von Grünlandflächen und das Ausbringen von Gülle, da hierdurch die bevorzugten Nahrungstiere dezimiert werden.

Steinschmätzer
(Oenanthe)

Steinschmätzer

Ordnung: Sperlingsvögel
Familie: Drosseln
Körperlänge: 14,5 bis 15,5 cm
Flügelspannweite: 26 bis 32 cm
Gewicht: 22 bis 28 g

Der Steinschmätzer gilt in Deutschland als eine der seltensten Vogelarten und ist vom Aussterben bedroht (Rote Liste Kat. 1). Von Natur aus lebt er in felsigen Gebieten mit karger Vegetation und kommt daher hauptsächlich im Gebirge vor. Er bewohnt aber auch andere Habitate mit offenem, steinigem Gelände. Daher sichtet man den seltenen Vogel auch in Kalksteinbrüchen. War die Art in den 70er Jahren noch Brutvogel in den Steinbrüchen, so ist er heute nur noch Durchzügler auf den Weg in den Norden (Tundra).

Geeignete Nistplätze sind Löcher in Steinmauern oder Steinhaufen, Felsspalten am Boden oder in Bodennähe, Hohlräume unter Fels- und Gesteinsblöcken oder unter Reisighaufen und Holzstapeln. Auch verlassene Kaninchenbaue können für den Nestbau genutzt werden. Das Nest wird aus trockenem Pflanzenmaterial geformt und weich ausgepolstert.

Das Weibchen legt meist Ende April/Anfang Mai vier bis sechs Eier, die 14 Tage lang bebrütet werden. Ebenso lange dauert auch die Aufzucht der Jungen, bis diese flügge sind. Danach werden die Jungvögel noch eine Weile in der Nestumgebung mit Futter versorgt. Bei geeigneten Witterungsverhältnissen kommt es Ende Juni zu einer Zweitbrut. Im September ziehen die Vögel Richtung Afrika, wo sie überwintern. Anfang bis Mitte April kehren sie zurück.

Steinschmätzer fressen hauptsächlich Insekten, aber auch Spinnen, Schnecken und Regenwürmer. Im Herbst ergänzen Beeren das Nahrungsspektrum.

Sie haben zahlreiche natürliche Feinde. Insbesondere Marder und Wiesel und Waschbären gefährden die Brut, die sie leicht erreichen können.

Teichrohrsänger
(Acrocephalus scirpaceus)

Teichrohrsänger

Ordnung: Sperlingsvögel
Familie: Rohrsängerartige/Grasmückenartige
Gattung: Rohrsänger
Körperlänge: etwa 13 cm
Flügelspannweite: 17 bis 21 cm
Gewicht: 10 - 15 g

Der Teichrohrsänger lebt im dichten Schilf und Ufergebüsch von Seen, Teichen, Mooren und Flüssen. Er ist an vertikale Strukturelemente von Pflanzengesellschaften aus Feuchtgebieten angepasst. Statt zu fliegen, klettert er dort auf und ab und hüpft von einem Halm zum anderen. Er ernährt sich von Insekten, Spinnen und Schnecken aus dem Röhricht und der angrenzenden Gebüschzone.

Durch seine enge Bindung an Schilf und andere Röhrichte ist der Vogel durch den Verlust naturbelassener Uferzonen, Entwässerungsmaßnahmen, Überdüngung und Phosphat- sowie Biozidbelastung der Gewässer bedroht. Die Bestandsentwicklung ist seit Jahren tendenziell leicht negativ.

Feuchtbiotope findet der Teichrohrsänger in zahlreichen Steinbrüchen vor, die ihm dann als Ersatzhabitat dienen. So ist er auch in Kalksteinbrüchen und Sedimentationsbecken heimisch, wo ausreichend Röhrichtbestände anzutreffen sind.

Der Langstreckenzieher kehrt Ende April aus seinem Winterquartier in Afrika nach Deutschland zurück und baut schon bald darauf sein aus Schilfrohr geflochtenes Nest, das er an mehreren Röhrichthalmen aufhängt. Die Brutzeit dauert von Ende Mai bis in den August. Das Weibchen legt drei bis fünf Eier, die 11 bis 14 Tage lang abwechselnd von beiden Partnern bebrütet werden. Die Jungvögel bleiben 10 bis 14 Tage im Nest. Teichrohrsänger brüten aufgrund ihrer hohen Brutverluste zwei- bis dreimal im Jahr.

Der Teichrohrsänger wird häufig vom brutparasitierenden Kuckuck genutzt und zieht den artfremden Nestling auf. Das wenige Stunden alte Kuckucksjunge entfernt die Eier und Jungvögel der Wirtseltern und wächst allein im Nest heran.

Im Oktober bricht der Vogel zu seinem Winterquartier auf. Er fliegt nachts. Abreisezeit und Zugrichtung sind ihm angeboren. Um die rund 6.000 Kilometer gut zu überstehen, legt er vor der Reise Fettreserven an.

Uhu
(Bubo Bubo)

Uhu

Klasse: Vögel
Ordnung: Eulen
Körperlänge: rund 70 cm
Flügelspannweite: bis 180 cm
Gewicht: Weibchen 1,7 bis 4,2 kg, Männchen 1,5 bis 2,8 kg

Die größte europäische Eulenart war hierzulande nahezu ausgerottet. Dank gezielter Hilfsprogramme gibt es heute deutschlandweit wieder ca. 1000 Uhupaare. Dennoch kann der Bestand noch nicht als gesichert gelten. Der Uhu ist von der Fortführung der Schutzmaßnahmen abhängig. Insbesondere ist er folgenden Gefahren ausgesetzt:

  • Verluste durch Stromschlag an vogelgefährlich konstruierten und ungesicherten Masten im Mittelspannungsnetz und im Bereich der Bahn

  • Kollisionsverluste durch Straßen- und Schienenverkehr

  • Verluste durch Anflug an Leitungen und Drähten

  • Kollisionsverluste an Windenergieanlagen

  • Störungen an den Brutplätzen, zum Beispiel durch Klettersportler, Ballonfahrer, Fotografen, Geocacher und Drohnenbenutzer

  • Verlust von wichtigen Sekundärlebensräumen in Steinbrüchen durch Rekultivierung

  • Verschlechterungen des Nahrungsangebots durch Intensivierung der Landwirtschaft

Der Uhu ist als Nahrungsopportunist nicht wählerisch. Sein Beutespektrum reicht von Feldmäusen, Ratten und Igeln über Kaninchen und Feldhasen bis hin zu Vögeln von Singvogel- bis Bussardgröße. Gelegentlich werden auch Fische oder Amphibien erbeutet. Der Offenland-Jäger ist in Mitteleuropa überwiegend ein Felsbrüter. Steinbrüche sind für ihn ein wichtiger Sekundär-Lebensraum geworden. Der Uhu ist in unseren Breiten ein Standvogel und gilt als äußerst standorttreu. Gut geeignete Brutreviere sind oft über Generationen besetzt. Als Hauptverbreitungsgebiete gelten die Mittelgebirge Süd- und Westdeutschlands, die Alpen und Schleswig-Holstein.

Territorialverhalten zeigt der Uhu nur im engeren Bereich der Nistplätze. Jagdgebiete werden nicht verteidigt und überschneiden sich. Ab September sind die Altpaare wieder im direkten Umfeld ihres Brutplatzes zu finden, und neue Paare finden zusammen. Das Brutgeschehen beginnt Ende Februar/März. Nach 35 Tagen schlüpfen ein bis drei, in seltenen Fällen auch vier oder gar fünf Junge. Sie sind mit etwa zehn Wochen flugfähig, verlassen das Nest aber bereits Wochen zuvor und zerstreuen sich in der Umgebung des Brutplatzes. Nach dem Ausfliegen werden die Jungvögel weiter versorgt, bis sie im Spätsommer/Herbst schließlich selbstständig sind. Die Junguhus siedeln sich meist nur in einer Entfernung von bis zu 80 Kilometern vom Geburtsort an.

Uhus finden in den Steinbrüchen der deutschen Kalkindustrie, was sie zum Leben brauchen. Die Betreiber helfen in Zusammenarbeit mit Fachleuten den Tieren u.a. durch die Anlage von Brutnischen in den Steinbruchwänden oder durch die Einrichtung von Tabuzonen.

Wechselkröte
(Bufo viridis)

Wechselkröte

Klasse: Lurche (Amphibien)
Familie: Kröten
Körperlänge: 8 bis 10 cm

Wechselkröten haben ein auffällig grünes Fleckenmuster auf ihrer cremefarbenen Oberseite. Den Farbkontrast können sie je nach Stimmung, Temperatur und Umgebungslicht zwischen hell und dunkel wechseln.

Die Wechselkröte liebt Wärme, Trockenheit und offene Standorte mit spärlicher Vegetation. Als Laichgewässer werden temporäre Gewässer mit mineralischem Boden bevorzugt. Daher findet die Kröte in Kalksteinbrüchen und anderen Abgrabungsflächen einen idealen Lebensraum.

Die Laichzeit der Wechselkröten erstreckt sich von April bis in den Mai. Die 2 bis 4 Meter langen Laichschnüre werden oft am Gewässerboden abgelegt. Nach etwa acht bis zwölf Wochen erfolgt die Metamorphose. Die umgewandelten Jungkröten gehen an Land und dringen dabei oftmals in völlig neue Gebiete vor.

Wechselkröten leiden unter dem Wegfall geeigneter Laichgewässer, fortschreitender Sukzession (Verbuschung) und der daraus resultierenden Beschattung ihrer bevorzugten Laichbiotope. Besonders betroffen ist die Art durch Rekultivierung oder Umgestaltung (z. B. Aufforstung) ihrer Lebensräume.

Die Wechselkröte ist europaweit geschützt nach der FFH-Richtlinie (Anhang IV) und „streng geschützt“ nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Alle streng geschützte Arten dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Außerdem ist es verboten, sie durch Aufsuchen ihrer Lebensstätten zu beunruhigen.

 
 


Außer den hier vorgestellten Tierarten findet sich eine Vielzahl von weiteren Tier- und Pflanzenarten in den Steinbrüchen der deutschen Kalkindustrie. Dazu gehören u. a.:

folgende Tiere:

… und folgende Pflanzen: